Mittwoch, 11. April 2018

Bücherwelten: Gustave Flaubert „Reisetagebuch aus Ägypten“

Einige Zeit gehen wir zu Fuß, da der Weg sehr schwierig ist; er ist mit Gerippen von Kamelen besät, die noch in ihrer Haut sitzen und innen sehr reinlich ausgeweidet sind. Es sind die Ratten, die das besorgen; das Fell unversehrt, innen ausgefressen, fein wie die Schale einer Zwiebel, an der Sonne getrocknet und gespannt wie die Haut einer Trommel, bedeckt das abgenagte Skelett. Unzählige Rattenlöcher von Ratten in der Wüste.“ (zitiert ebd. S. 190/191) 

Nicht nur Paul Gauguin trieb es im 19. Jahrhundert in die Ferne. Noch früher, nämlich im November 1849 brach sein Landsmann und Schriftsteller Gustave Flaubert auf. Ägypten, das war damals eine längere Reise, man musste das Mittelmeer per Schiff überqueren, und vor Ort ging es dann entweder auf dem Nil per Schiff oder per Esel und Kamel weiter. So war Flaubert, der mit einem Freund reiste, um die 6 Monate unterwegs. 

Das Buch, 1963 vom längst nicht mehr existierenden Steingrüben Verlag herausgebracht, angelte ich aus dem öffentlichen Bücherschrank hier in der Südstadt. Ich hatte auch gerade mal Lust, es zu lesen, denn schließlich war ich mit einem Freund vor ewigen Zeiten (1993) auch mal in Ägypten, allerdings nur zweieinhalb Wochen oder so. Wir fuhren mit dem Zug den Nil runter und später mit dem Bus durch die Arabische Wüste – von wegen Kamel, nur ausnahmsweise machten wir mal eine kürzere Oasen-Tour auf dem Sinai auf diesen Tieren. An die Knochenschmerzen nach der absolvierten Tour erinnere ich mich noch. 

Der Reisebericht von Flaubert ist oft interessant, manchmal aber auch ermüdend, wenn er bei jedem besichtigten Tempel die ägyptische Tempelkunst schildert. Interessanter ist es schon, den geschilderten Ausblicken auf den Nil, die Wüste und die Berge zu folgen. Auch auf unserer Reise waren die Landschaft und das Licht, in das sie oft getaucht war (besonders bei Abendsonne), beeindruckend. Grüne Nil-Aue, rot oder gelb leuchtende Berge – das ist schon mitunter toll. 

Die Reisenden trafen auch andere westliche Reisende und waren oft bei den lokalen Repräsentanten der Macht zum Essen, Schlafen etc. zu Gast. Tja, damals war der reisende Westler noch etwas Besonderes. 

Frei von rassischen Ausführungen und schlechten, heute unzeitgemäßen Gewohnheiten ist Flaubert's Reisebericht nicht, beispielsweise waren sie mit Flinten bewaffnet und schossen quasi auf jedes Wildtier, dass sie zu Gesicht bekamen. Viele davon dürften in Ägypten mittlerweile ganz oder fast ausgestorben sein. Wir jedenfalls sahen damals z.B. weder Krokodile noch Geier oder Schakale. 

Wie es weltweit wohl überall so ist, war das Reisen damals sicherlich exotisch-bizarrer, anstrengender und unangenehmer (verwanzte Betten etc.) als heute, und in Ägypten gab es damals natürlich auch viel weniger Touristen. Dass Flaubert dort überhaupt reisen konnte/durfte und sich getraut hat, ist bemerkenswert. 50 Jahre vorher gab es Napoleons gescheiterten Ägyptenfeldzug von 1798 bis 1801, der für die meisten Teilnehmer mit dem Tod endete. Aber Ägyptens Frühgeschichte wurde durch diesen Feldzug in Frankreich bekannt, weil viele Wissenschaftler dabei waren und die umfangreiche Text- und Bildsammlung „Description de l’Égypte“ veröffentlicht wurde. Als Flaubert reiste, war Ägypten jedoch ein halbautonomer Teil des Osmanischen Reiches.

Kommentare:

  1. Hallo Lutz,
    so ein Reisetagebuch kann eine spannende Sache sein. Es basiert doch hauptsächlich auf die Eindrücke des Reisenden und wurde eher für sich selber notiert, oder doch für die Nachwelt?
    Führst du auch Tagebuch auf Reisen oder ist dein Blog dein Reisetagebuch?
    Grüßli :-)

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  2. Im Prinzip ist der Blog das Reisetagebuch. Früher - vor der Blog-Zeit - habe ich nie Reisetagebuch geführt.

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